Nijdra schaut voraus (Teil 1)
Nijdra schaut voraus (Teil 1)
„Wir sind groß genug für komplexe Projekte, aber klein genug, um persönlich und flexibel zu bleiben“
Nijdra hat mit Präzisionsteilen und mechatronischen Systemen von hoher Qualität eine Reputation aufgebaut. Aber der Horizont reicht weiter als nur fachmännisches Können. Die Geschäftsführung, bestehend aus Saskia van Dijk-Nije, Dennis van Dijk und Jeroen Nije, berichtet in zwei Teilen, wie die Firma sich für die kommenden zehn Jahre rüstet. Dabei dreht es sich immer um dieselbe Fragen: Wie erhält man sich seine Identität und Kultur, während man sich in einer sich rasant verändernden Welt bewegt? Teil 1: Über KI und konkrete Zielsetzungen.
„Was uns treibt, ist, dass wir der nächsten Generation eine gesunde und nachhaltige Firma übergeben wollen“, sagt Saskia. „Wir haben eine reiche Geschichte in Präzisionsarbeit und wir wollen weiterhin innovieren. Das bedeutet, dass man manchmal schwierige Entscheidungen treffen muss. Aber immer mit dem Blick auf lange Frist.“ Nijdra wurde kurz nach dem Krieg von Großvater Nije gegründet: Eine kleine Werkstatt mit ein paar Drehbänken, die sich zu einem anerkannten Namen in der Hightech-Fertigungsindustrie entwickelt hat. Inzwischen führt die dritte Generation die Firma. „Eine Firma ist mehr als nur Zahlen“, sagt Dennis. „Es geht um Menschen, Vertrauen und langfristige Beziehungen. Ja, wir wollen wachsen und Gewinn machen, aber vor allem um weiterhin in unser Team, unsere Technologie und eine gesunde Zukunft zu investieren. Unser Ziel: ein innovatives und nachhaltiges Familienunternehmen, das wir voller Stolz weitergeben können.“ Die Familienwerte spüren Kunden und Mitarbeitende jeden Tag. Jeroen: „Wir sind groß genug für komplexe Projekte, aber klein genug, um persönlich und flexibel zu bleiben. Diese einzigartige Position pflegen wir, auch wenn wir uns weiter Richtung 2030 entwickeln.
Künstliche Intelligenz als neue Kollegin
Eine der größten Veränderungen der kommenden Jahre ist der Durchbruch der künstlichen Intelligenz (KI). Während viele Firmen noch mit der praktischen Anwendung kämpfen, wählt Nijdra eine pragmatische Herangehensweise. „KI darf kein Spielchen sein, sondern ein Hilfsmittel, das unsere Arbeit verbessert“, sagt Jeroen. „Wir sehen sie als eine neue Kollegin, die sich wiederholende Aufgaben übernimmt, so dass unsere Leute sich auf das konzentrieren können, worin sie wirklich gut sind: Präzisionsarbeit und Problemlösung.
Konkret sieht Nijdra auf drei Gebieten Möglichkeiten:
- Arbeitsvorbereitung: komplexe Berechnungen und Stücklisten schneller und fehlerfreier zusammenstellen;
- Planung: auf Basis von Kapazität und Lieferzeiten automatisch Aufträge einplanen;
- Qualitätskontrolle: Abweichungen durch Datenanalysen schneller aufspüren statt rein manueller Kontrollen.
Ende 2025 hat die Firma ein erstes sichtbares KI-Projekt zu voller Zufriedenheit realisiert. Zwei Mitarbeitende wurden außerdem zu „KI-Champions“ ausgebildet, die innerhalb der Organisation als Vorreiter fungieren. „Das schöne ist, dass die KI auch beim Kundenkontakt helfen kann“, bemerkt Saskia. „Zum Beispiel indem sie schneller Angebote macht oder logistische Information in Echtzeit teilt. Das führt zu weniger Frustration bei Kunden und bei uns selber.“ Jedoch warnt Dennis vor Überschätzung: „Die KI ist kein Wundermittel. Letztendlich geht es immer noch um Fachleute, die die richtigen Entscheidungen treffen. Technologie ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für gesunden Menschenverstand.“
Neue Märkte als Wachstumsmotor
Die Stärke von Nijdra liegt von jeher in der Verschiedenheit seiner Kunden. Von medizinischer Technologie und Verteidigung bis zum Maschinenbau: Die Firma liefert Präzisionsteile und System für unterschiedliche Sektoren. Diese Verteilung macht sie weniger empfindlich für Schwankungen auf einem bestimmten Markt. „Die Breite ist unser Sicherheitsgurt“, so Dennis. „Als verschiedene Sektoren während der Coronapandemie teils stillstanden, konnten wir auf Kunden auf dem biomedizinischen Markt zurückfallen. Das hat uns durch die Krise geholfen.“ In den kommenden Jahren liegt der Fokus auf der Halbleiterindustrie. Die Nachfrage nach hochwertigen Komponenten in diesem Sektor wächst explosiv, unter anderem durch KI, Digitalisierung und Energiewende. „Halbleiter ist ein Markt par excellence, der hohe Anforderungen an Präzision und Zuverlässigkeit stellt“, sagt Jeroen. „Das entspricht ganz und gar unseren Kernkompetenzen. Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden, aber müssen unsere Prozesse ausweiten und neue Partnerschaften schließen. Gegen 2027 entwickelt sich dieser Markt organisch und im Gleichgewicht mit unseren anderen Segmenten zu einem bedeutungsvollen Anteil.“ Saskia ergänzt: „Wir wachsen kontrolliert und behalten unsere Identität. Qualität, dauerhafte Beziehungen und das, was wir im Inneren sind, haben immer Priorität. So wird diese Erweiterung eine Verstärkung dessen, was uns schon stark macht, statt ein Sprung ins Ungewisse.“
Von Gefühl zu Daten: KPIs, die wirklich etwas bedeuten
Ein wichtiger Punkt, den die Geschäftsführung selbst als verbesserungswürdig ansieht, ist die Neufassung der KPIs, also der Zielvorgaben. Bis jetzt richteten sich die Abteilungen vor allem auf ihre eigenen Ziele, was das Risiko auf Inselbildung innerhalb der Organisation vergrößerte. „Das muss sich ändern“, sagt Saskia. „Wir wollen unsere betrieblichen Zielvorgaben nicht nur nennen, sondern auch messbar machen. Neue, live aktualisierte KPIs in unserem ERP-System geben Aufschluss darüber, ob wir auf Kurs sind. Sie sorgen dafür, dass alle Abteilungen in dieselbe Richtung arbeiten.“ Das Festlegen und Befolgen von KPIs soll außerdem zu einer Kultur der Transparenz und gemeinsamen Verantwortung beitragen. „Es geht nicht darum, Menschen zu beurteilen, sondern um uns allen und der Firma zu helfen, bessere Leistungen zu bringen“, betont Dennis.
Kunden als Partner
Bei Nijdra legen wir Wert auf eine echte Partnerschaft mit unseren Kunden und keine klassische Lieferantenbeziehung. Die Zusammenarbeit beginnt idealerweise schon am Zeichentisch. „Je eher wir involviert werden, desto besser können wir unser Wissen einsetzen, um dem Kunden zu helfen, sein Produkt klüger, kosteneffizienter oder nachhaltiger zu machen“, berichtet Dennis. „Das beugt Überraschungen später vor und bringt allen Vorteile: kurze Durchlaufzeiten, niedrigere Kosten und ein stärkeres Endergebnis.“ Eine gute Partnerschaft funktioniert in beide Richtungen. Gegenseitiges Vertrauen, klare Vereinbarungen und eine gesunde finanzielle Basis gehören selbstverständlich dazu. Saskia: „Wir investieren viel in unsere Leute und Maschinen, um für unsere Kunden schnell schalten zu können. Dazu gehört, dass wir gemeinsam rechtzeitig unsere Pflichten erfüllen, so dass wir gemeinsam weiterwachsen können.
Jeroen ergänzt: „Wir sind loyal und streben langfristige Beziehungen an, aber eine Partnerschaft muss für beide Parteien von Vorteil bleiben. Wenn wir merken, dass eine Zusammenarbeit strukturell aus dem Gleichgewicht gerät und es keine Aussicht auf Verbesserung gibt, entscheiden wir uns manchmal dafür, Platz für neue chancenreiche Partnerschaften zu machen. Das tun wir mit Respekt und immer in Rücksprache miteinander. Auf diese Weise halten wir unser Kundenportfolio gesund und können weiterhin tun, was wir am besten können: zusammen schöne, hochwertige Produkte machen, auf die wir jahrelang stolz sein können. Zugleich weiß die Geschäftsführung, dass Kundenzufriedenheit der Schlüssel zum Erfolg ist. Unzufriedene Kunden wegen zu später Lieferungen oder langsamer Angebote sind ein reales Risiko. Deshalb investiert Nijdra in ein neues ERP-System, das Prozesse beschleunigt und digitalisiert. „Wir möchten Richtung papierfreies Büro und einer Durchlaufzeit bei Angeboten von maximal zwei Wochen“, sagt Dennis. „Das ist ehrgeizig, aber notwendig, um unser Versprechen einzulösen.“