„Nijdra verändert sich stetig, das ist ein konstanter Faktor“
„Nijdra verändert sich stetig, das ist ein konstanter Faktor“
Wer durch die Flure von Nijdra geht, sieht ein Familienunternehmen, das fest verwurzelt ist in der Tradition, jedoch gleichzeitig ganz mit der Zukunft beschäftigt ist. Wo früher Stapel von Ordnern, Zeichnungen und Formularen auf den Schreibtischen lagen, stehen jetzt Laptops und es herrscht eine digitale Ordnung. Prozesse wurden beschleunigt, Fehler verringern sich und die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten ist viel enger geworden. Mitten in diesem Wandel steht Koen Zuidema, Veränderungsmanager bei Nijdra, mit einem frischen, zukunftsorientierten Blick und von einer Leidenschaft für Prozessoptimierung getrieben.
Kannst du uns erklären, was du bei Nijdra genau machst?
„Ich bin Veränderungsmanager und befasse mich mit Prozessoptimierung im weitesten Sinne des Wortes. Das kann hier im Büro sein, im Betriebsbüro, aber auch in der Produktion, wie in den CNC-Fabriken oder der Montage. Meine Aufgabe ist es zu prüfen, wo Prozesse effizienter und intelligenter gestaltet werden können. Dabei untersuche ich auch, welche Rolle KI innerhalb unserer Prozesse spielen kann: Wo sie tatsächlich von Wert ist, welche Arbeiten damit unterstützt werden können und wie wir sie auf verantwortungsvolle Art und Weise einsetzen können. Das reicht von der Vernetzung von Anwendungen bis hin zur Optimierung von Arbeits- und Prozessabläufen. Was mich momentan sehr beschäftigt, ist, wie wir Produktdaten sicher und automatisch durch alle Schritte des Prozessen laufen lassen können; vom Kunden zum Ingenieur, vom Programmierer zum Operator und der Qualitätsabteilung. Und das, ohne dass jedes Mal Menschen die Daten manuell übertragen müssen, und auch mit so wenig wie möglich Informationsträgern. Das spart Zeit, beugt Fehlern vor und macht unsere Arbeit besser und zuverlässiger.“
Welche Entwicklungen siehst du in eurem Bereich, die für Nijdra zukunftsweisend sind?
„Der Kern ist, dass wir weiter in Innovationen investieren müssen, sowohl in den Maschinenfabriken als auch in der Montage. Außerdem sind Daten entscheidend. Man muss dafür sorgen, dass man seine Daten in Ordnung hat, sodass man Systeme miteinander vernetzen kann. Wir gehen auf dem Gebiet schon die ersten Schritte. Zum Beispiel arbeiten wir mit Bossard zusammen, einem Parter, der Befestigungskomponenten liefert. Er hat ein System, wobei Komponenten auf Waagen liegen. Sobald Vorrat verbraucht wird, wird automatisch ein Signal ans System gesendet und wird der Vorrat wieder ergänzt. Das ist eine Form von Integration, die uns viel Zeit und Fehler erspart. Inzwischen haben wir auch ein Testprojekt, in dem seine Hardware und Software uns helfen, Operators bei der Montage mit smarten Arbeitsinstruktionen zu unterstützen. Das System verfolgt, was geschieht, checkt, ob Schauben gut festgedreht sind und legt die Qualität automatisch fest. So verbinden wir Engineering mit Ausführung und Qualitätskontrolle. Dadurch bekommt man ein Kette, in der immer weniger händisch erledigt werden muss und in der man viel mehr Kontrolle hat. Außerdem erkunden wir intensiv, was KI für unsere Prozesse bedeuten kann. So befassen wir uns zum Beispiel mit Imnoo, das KI einsetzt, um Arbeit in der Zerspanung smarter vorzubereiten und zu kalkulieren. Gleichzeitig prüfen wir die Möglichkeiten der KI ausführlicher: Können wir in Zukunft beispielsweise selbst Anwendungen entwickeln, die speziell auf unsere Prozesse zugeschnitten sind? Wir untersuchen vor allem, wo die Technologie wirklich von Wert ist.“
Das klingt nach einem enormen Digitalisierungsschub. Wie weit willst du dabei gehen?
„Meiner Ansicht nach müssen wir nach einer vollständigen Integration streben. Nicht nur intern, sondern auch extern. Intern bedeutet, dass alle Software in der Firma miteinander verknüpft ist und Informationen automatisch weitergegeben werden. Extern bedeutet, dass wir die gleichen Verknüpfungen mit Kunden und Lieferanten erreichen. Dann braucht man für Prognosen und Planungen nicht mehr anzurufen oder zu mailen, sondern man kann über sein eigenes System in ihr System schauen. Damit ist man viel dichter beim Kunden, kann schneller auf Veränderungen reagieren und beugt Fehlern vor. Das Ziel ist, dass Informationen sicher, synchron und automatisch durch die ganze Kette laufen. Und gerade wenn die Basis gut ist, ergeben sich auch viel mehr Möglichkeiten für zum Beispiel KI-Agenten."
Wie sorgst du dafür, dass du das richtige Timing hast? Nicht zu früh und nicht zu spät?
„Das ist die Kunst. Ich verwende oft die Metapher der Bugwelle eines Schiffes. Wenn man sich auf der Bugwelle der Innovation mitbewegen kann, kann man mit relativ wenig Einsatz vieles beschleunigen. Wenn man direkt hinter der Welle ist, muss man besonders hart arbeiten, eigentlich einholen, während die Konkurrenz einen Vorsprung haben könnte. Wenn man zu weit davor ist, macht man selber eine Bugwelle und riskiert, dass man Zeit und Energie in Entwicklungen investiert, die andere in der Zukunft einfach übernehmen können. Man muss sich also genau mit der Welle mitbewegen. Das bedeutet, dass man ständig alles beobachtet, Brancheversammlungen besucht, auf Kunden und Lieferanten hört und versucht, ein Gefühl für die Richtung der Entwicklung zu bekommen. So ist man nicht zu früh, aber sicher auch nicht zu spät.“
Alle reden über KI. Was bedeutet das für eure Arbeit?
„KI ist im Moment vielleicht die größte Veränderung in unserem Sektor. Ich sehe das auf zweierlei Art. Einerseits hilft die KI uns, Daten besser zu interpretieren und auf Basis dessen bessere Entscheidungen zu treffen. Man denke zum Beispiel an ein Data Warehouse, in dem Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenkommen. Die KI kann darin schnell Muster und Verbindungen erkennen und vielleicht sogar innerhalb eines vorab bestimmten Rahmens selbstständig Aktionen durchführen. Auf der anderen Seite sehe ich die KI als eine Art Personal Assistant für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter. Kleine, langweilige Tätigkeiten, wie die Kontrolle von Produktinformationen oder das Abschreiben von langen Listen, kann man der KI überlassen. Dadurch bleibt mehr Zeit und Energie für den kreativen Teil der Arbeit, für die Dinge, in denen man wirklich gut ist. Wir haben inzwischen auch einen KI-Engineer, der uns hilft, diese Schritte zu konkretisieren. Es klingt noch ein bisschen wie ein Traum, aber das ist wirklich möglich.“
Manche Leute befürchten, dass KI ihre Jobs überflüssig macht. Wie siehst du das?
„Ich verstehe die Sorgen, aber ich sehe die KI nicht als Bedrohung. Im Gegenteil: Ich denke, dass sie unsere Arbeit sogar angenehmer macht. Nehmen wir zum Beispiel einen Ingenieur. Der möchte entwerfen, Skizzen machen, in einem 3D-Programm arbeiten. Der hat doch keine Lust, hundert kleine Materialien in eine Stückliste zu tippen, also übergeben wir diese Arbeit der KI. Dann kann der Ingenieur sich entwickeln, seine Kenntnisse vertiefen, kreativer sein. Das ist nicht nur gut für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, sondern auch für Nijdra. Je mehr Fachwissen wir im Haus haben, desto besser können wir unsere Kunden bedienen und desto mehr Märkte können wir betreten.“
Was für Leute passen in eine Kultur, in der man ständig innoviert?
„Das ist je nach Rolle unterschiedlich, aber es gibt eine Eigenschaft, die für jede und jeden gilt: Veränderungsbereitschaft. Es muss einem gefallen, dass sich die Dinge ändern. Es bedeutet ständiges Lernen und auf dem Laufenden Bleiben. Wissen von heute ist morgen schon wieder veraltet. Wenn einem das Spaß macht, dann passt man hier gut hin. Und das gilt nicht nur für Nijdra, sondern für die gesamte Fertigungsindustrie. Das Tempo ist hoch, man muss mitkommen.“
Nijdra ist ein Familienunternehmen. Wie kombiniert man diese Kultur mit Innovation und Technologie?
„Gerade weil wir ein Familienunternehmen sind, können wir schneller umschalten und flexibler innovieren. Wir haben eine horizontale Hierarchie und kurze Wege. Das regt zu Kreativität und Zusammenarbeit an. Projekte geht man immer multidisziplinär an, man tauscht sich regelmäßig mit den Kolleginnen und Kollegen anderer Abteilungen aus. Das sorgt für Vielfalt und neue Ideen. Außerdem sorgt die Familienkultur dafür, dass wir einander inspirieren und auf Trab halten. Das eine schließt das andere also nicht aus. Im Gegenteil, sie verstärken einander."
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in eurer Arbeit?
„Eine ganz wichtige. Prozessverbesserung und Nachhaltigkeit sind für mich eigentlich untrennbar verbunden. Jede Verschwendung, die man beseitigt, ist Gewinn. Wir sind zum Beispiel bei unserer Berichterstattung vollständig von Papier auf Dashboards umgestiegen. Wir arbeiten mit Rücksendeverpackungen und refurbishen manchmal alte Systeme von Kunden, anstatt alles neu zu produzieren. Auch das ist Nachhaltigkeit. Wir prüfen zusammen mit Kunden, wie wir intelligenter, effizienter und nachhaltiger arbeiten können.“
Wenn du zehn Jahre in die Zukunft schaust, wie sieht Nijdra dann aus?
„Wir sind dann immer noch ein Familienunternehmen, aber eines, das noch mehr Märkte bedienen kann. Nicht zuletzt durch die technologischen Entwicklungen haben unsere Kunden immer höherer Erwartungen an uns. Das bedeutet, dass wir uns immer weiterentwickeln, neue Fachkenntnisse erwerben und neue Anwendungen finden müssen für das, was wir können. So helfen wir unseren Kunden auch in der Zukunft und ich erwarte, dass wir durch die Entwicklung auch andere Märkte betreten können, aber schon immer mit denselben Werten. Was ich sicher weiß: Nijdra verändert sich stetig. Das ist vielleicht das einzig Konstante, was ich mit Sicherheit vorhersagen kann.“